Stammsyte

Cliquegschicht:

Geschichte der Pfluderi

 

“Anno Ninzähhundertninezwanzig hänn sich fimf  Minute vor em hailigschte Daag wo s in Basel git, nämlig d Fasnacht, drei gueti Bebbi und e Bueb und e Leiterwäägeli uff d Hinterbai gschtellt und hänn e Ziiegli ane zauberet! Uff dr Mäntig z’mittag hetts aber nimme glängt und die fimf häns dernode erscht am Mittwuche g’haue! Als Sujet hänn sie ebbis hundsglunges uffs Tapet brocht, „d’Schugger friere“. Agmäldet sind sie nit gsi bim Comité, hänn aber doch vom Obma Firschtebärger e Gruppeplakette bikoh. Also das isch dr Afang gsi vo dr Pfluderi-Clique. Richtig los gange isch aber drno 1931“.

So steht es im Gründungsbrief geschrieben. Die Gründung ging von Mitgliedern des Velo-Clubs Olympia aus, die ihren Stamm im Rest. Schnabel hatte. So wurde diese Traditionsbeiz auch bald das Stammlokal und Heim der Pfluderi.

Die erste Foto der Fasnacht datiert aus dem Jahr 1931. Man sieht einen Esel, der von zwei Mitgliedern getragen wurde, mit einem dritten diesen an der Leine führenden Pfluderi. Dahinter folgten ein Laiterwägeli und vermutlich die ersten Drummler. Denn in der Fasnachtsberichterstattung der Zeitung war „von einem ergötzlichen Lärm“ die Rede, die hinter dem Laiterwägeli zu hören war. 1932 sind denn auch tatsächlich die Tambouren fotografisch festgehalten: Eine Gruppe von etwa fünfzehn Drummlern, die auf ihren Holztrommeln lediglich den Rossbollemarsch spielen konnten. Trommelnoten waren den Pfluderi damals noch nicht bekannt; so konnten sie auch keinen Trommelmarsch erlernen. 1933 waren es allerdings dann lediglich noch zwei Tambouren, welche hinter einer riesigen Laterne liefen. Aber schon an der nächsten Fasnacht war man wieder mehr Fasnachtsteilnehmer. 1935 trat die Pfluderi zum ersten Mal am Monschter auf. An der Fasnacht 1937 oder 1938 liefen zum ersten Mal Pfeifer mit. Hinsichtlich des Jahres sind sich der Fasnachtsberichtserstatter in der Zeitung und der Chronist nicht ganz einig.

Über die Wahrnehmung der Pfluderi in Fasnachtskreisen zu jener Zeit kann man einiges dem Monsterbericht aus dem Jahre 1939 entnehmen. Neben der Spalen, dem Barbara-Club, dem Dupf-Club, der Rätz und den Spezi wurden die Pfluderi als mittelmässige Clique zweiter und dritter Klasse bezeichnet, welche allesamt den ersten Teil des Monsters bestritten. Trotzdem erhielten die Pfeifer ein Lob: Den Gluggsi, welcher von den Pfluderi frisch und lebendig vorgetragen wurde, sei erfreulich sauber und melodisch gepfiffen worden.

Dann kam die fasnachtslose Zeit während des zweiten Weltkrieges. Allerdings konnte man die Pfluderi am Monster mit den Dreier, den Staikohle oder dem Wettsteinmarsch auftreten sehen.

Das waren die ersten Jahre der Pfluderi-Clique. Von einer kleinen Gruppe in den 30er Jahren hat sich die Pfluderi zu einer grossen und geachteten Stammclique entwickelt und zählt im Jubeljahr 2004 knapp 100 Aktive. Der Schnabel ist seit den Anfangsjahren das Stammlokal geblieben, in welchem sich die Mitglieder jeden Mittwoch zum Hock oder der Übungsstunden treffen. In den sechziger Jahren nahm man – und dies fast wörtlich gemeint – Besitz von Räumlichkeiten im Rosshof, welche man zum Bau der Requisiten und Wagen nutzte. Man dachte, der Eigentümer der Gebäulichkeiten werde sich schon melden. Tatsächlich kam schliesslich die Anfrage der Staatlichen Liegenschaftsverwaltung, ob die Pfluderi die Kellerräumlichkeiten mieten und ausbauen wolle. Selbstverständlich nahm man dieses Angebot erfreut an. In der Zwischenzeit wurde der Cliquenkeller am Nadelberg 18 bereits dreimal renoviert und baulich umgestaltet, so 1972, 1983 und schliesslich 1993(?).

Wie bei anderen grossen Stammcliquen kam das Bedürfnis auf, den Nachwuchs zu fördern und einen Platz für die älteren Mitglieder zu suchen, die es an der Fasnacht ein wenig gemütlicher nehmen möchten. So wurden 1946 die Junge Garde gegründet. Diese Gründung wurde am Drummeli 1946 gefeiert und manifestiert, indem ein Bube als Tambourmajor die Pfeifer und Tambouren dirigieren durfte. Bei diesem Buben handelte es sich um Marcel Rüegg, der in Clique liebevoll Burzi genannt wurde, den späteren Obmann des Stammvereins. 1963 erfolgte die Gründung der Alten Garde, des Pfluderi-Asyls. Viele altgediente Pfluderi wirkten bei dieser Gründung mit und machen in diesem Kreis noch heute aktiv Fasnacht. Ende der 60er und anfangs der 70er Jahre kam der Wille zum Ausdruck, aus der Pfluderi eine reine Herrenclique zu machen. So kam es, dass 1972 die Pfluderi-Wybli gegründet wurden, zu welchen die Mädchen in der Jungen Garde mit Erreichen des 18. Lebensjahres übertreten konnten. Bald hat man allerdings gemerkt, dass diese Gründung nicht ein sehr glücklicher Entscheid war. Aufgrund fehlenden Nachwuchses in der Pfeifergruppe und auf Druck der jüngeren Stammmitglieder machte der Stamm im Jahre 1985 wieder für Frauen auf und ermöglichte auch den Pfluderi-Wybli den Übertritt in seine Reihen.

Prunkstück und Stolz einer jeden Clique sind ihre Laternen an der Fasnacht. Die Pfluderi darf wahrhaftig mit Stolz auf ihre Kunstwerke und Künstler zurückblicken. 1932 lief die erste Laterne; sie wurden vom bis in die siebziger Jahre aktiven Cliquenmitglied Edi Willi gemalt. Er war ein angesehener Fasnachtskünstler seiner Zeit und seine Laternen sind noch heute für viele ein Begriff und stets bewundert. Edi Willi war aber nicht nur Künstler sondern auch langjähriger Obmann des Stamms und vor seinem Übertritt in die Alte Garde an einer Fasnacht Tambourmajor. Für die Pfluderi malte er die Laterne von 1932 bis 1964. Sein Neffe, Jean Willi, in Fasnachtskreisen unter dem Namen Tschämperli bekannt, trat in die Fussstapfen seines Onkels. Auch ihm gelangen grosse Kunstwerke; zu denken sei namentlich an die Op-Art Laterne: Sie und der ganze Fasnachtszug zeichneten sich insbesondere durch seine Optik und das hervorragende graphische Element aus. Aber auch an den Letzten Vorhang des alten Stadttheaters oder „dr haiss Summer“ erinnern sich noch manche. Mit einigen Unterbrüchen malte er für die Pfluderi die Laternen in den Jahren 1964 bis 1978(?). Auf Tschämperli folgte die Epoche von Brigitte Ritter. Sie brachte einen neuen künstlerischen Stil und schuf wie ihre Vorgänger einig Prachtlaternen. Zu denken wäre da an „SOS Minschter – s Duplikat“ oder „ Alles Fassade“, ein der prägnantesten Sujets der jüngeren Pfluderi-Zeit. Brigitte Ritter prägte und gestaltete von 1979 (oder erst später?) bis 1999(?) die Fasnachtszüge der Pfluderi. Allerdings gab es in dieser Epoche ein Jahr Unterbruch, in welchem die ILMV für die Pfluderi eine Gemeinschaftslatärne malte, wobei Lieni für die Vorderseite verantwortlich war. Mit Stolz und Ehrfurcht erinnern sich die Pfluderi an diese drei Künstler zurück.

Viele Namen prägten die Geschichte der Pfluderi. Erwähnt wurden bereits Edi Willi und Burzi Rüegg. Mille Fischer, seit der Gründerzeit dabei, war langjähriger Obmann und Tambourmajor. Alfons Studer, auch schon früh Mitglied der Pfluderi, war in den 50er und 60er Jahre lange Zeit Tambourmajor. 1947 trat Ruedi Straumann der Pfluderi bei und sollte wesentlich die Geschicke der Clique leiten. In der Tambourengruppe hatte er seinen angestammten Platz in der ersten Reihe. 1964 folgte er Edi Willi als Tambourmajor und wurde 1970 (?) zum Obmann gewählt. Er war beim 25-jährigen Jubiläum dabei und führt die Clique durch das 50-jährige Jubeljahr. Viele Errungenschaften, auf welchen die Pfluderi heute zurückgreifen kann, verdankt sie der waisen Leitung durch Ruedi Straumann. In diesem Kreis zu nennen ist schliesslich Fritz Haizmann, welcher beinahe 30 Jahre Obmann der Jungen Garde war und noch heute aktiv im Stammverein mitpfeift. Er hat die jungen Buben und Mädchen stets gefördert und zu richtigen Pfluderis herangezogen, aber auch viele unvergesslich Fester, Ausflüge und Reisen organisiert. Die heutigen Träger und der Grossteil der Mitglieder des Stammvereins, so auch die beiden Obmänner seit 1980, haben bei ihm gelernt, was es heisst, ein Fasnächtler und Pfluderi zu sein. Somit waren wir froh, die Organisation des Jubeljahres in seine Hände legen zu können.

 

Einige Eckdaten der Basler Fasnachts-Geschichte

Man vermutet, dass der Urkern der Fasnacht bis weit in die Römerzeit zurückgeht. Im Erdbeben von 1356 wurde die Stadt und die schriftlichen Dokumente zerstört. Deshalb können wir nur bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zurückgreifen, um die Geschichte der Basler Fasnacht zu erfassen.

Die älteste bestehende Urkunde (1376) berichtet von der „bösen Fasnacht“ und zwar am Tag vor Aschermittwoch, als die Österreicher in unserer Stadt blutige Spuren hinterliessen. Mit der Reformation 1529 wurde die Basler Fasnacht auf Montag/Dienstag/Mittwoch nach Aschermittwoch gelegt. Dass im 18. Jahrhundert die Fasnacht nicht unterging, ist ein grosser Verdienst der Zünfte, die, wenn immer möglich und von der Regierung nicht verboten, Umzüge veranstalteten. 

Die ersten Bänkelsänger sind 1832 erwähnt, deren Vorläufer die Schmäh- und Spottliedersänger aus dem 16. Jahrhundert sein dürften. Heute nennt man sie „Schnitzelbänggler“. 

Der erste offiziell erlaubte Morgenstraich ab 04.00 Uhr morgens fand 1835 statt. Durch das Verbot offene Fackeln zu tragen, kommen 1845 die ersten Steckenlaternen auf und 1860 wird zum ersten Mal eine grosse Zugslaterne mitgetragen. 

1910 Gründung eines unparteischen Fasnachts-Comités, welches diskret im Hintergrund wirkt, und die Interessen der aktiven Fasnächtler wahrnimmt. Zur Finanzierung der Fasnacht wurde1911 eine Plakette kreiert und verkauft. Die diesjährige Plakette ist unter dem Motto FABA 02. Es ist bewusst eine Anlehnung an das Sujet der Landesausstellung „expo 02“.

Trotz des weit in die Vergangenheit reichenden Ursprungs der Basler Fasnacht ist die Form wie sie heute abläuft, nur etwas mehr als 100 Jahre alt. Während des 1. und 2. Weltkrieges fanden keine Strassenfasnachten statt, und im Jahre 1920 wurde die Fasnacht wegen einer Grippeepidemie um 4 Wochen verschoben.

Am Sonntag vor dem Morgestraich besammelt man sich gegen Abend beim Künstler um die Laterne abzuholen. Ein kleines Zeremoniell. Man bestaunt das Meisterwerk, trinkt ein Gläschen Wein und führt seine – an und für sich mit Tüchern verdeckte Laterne – unter den Klängen der Pfeiffer, in Zivil natürlich, durch die Innerstadt zum Abmarschlokal des folgenden Morgens. 

Schlag 4 Uhr werden mit einem einzigen speziellen Schalter sämtliche Lichter der Innerstadt ausgeschaltet und ein Schauspiel, das schwer verbal geschildert werden kann, beginnt.

Am Montag- und Mittwochnachmittag ab 13.30 Uhr findet der Cortège sämtlicher beim Comité angemeldeten Teilnehmer auf einer vorgeschriebenen Route im Innerstadtbereich statt. 

Guggenmusiken wurden 1923 erstmals in der Presse erwähnt. Zwar marschierten bereits 1876 eine Blechmusik am Morgenstreich mit, was jedoch zu heftigem Protest führte. Seit 1934 hatten die Guggenmusiken einen grossen Aufschwung. Der Dienstagabend gehört zwischen 20.00 und 23.00 Uhr den Guggenmusikern mit Platzkonzerten auf dem Clara-, Barfüsser- und Marktplatz, während sich die Cliquen etwas mehr in die Altstadtgassen zurückziehen. Auf den Morgenstraich verzichten die Guggenmusiken, um während einigen Stunden auschliesslich den traditionellen Trommel- und Piccoloklängen den Vorrang zu lassen. 

Heute nehmen ca. 12‘000 Personen in organisierten Gruppen an der Fasnacht teil und ungefähr 6'000 Personen geniessen als Familien- und Einzelgrüppchen die Fasnacht.

 

Zämmefassig:

 

  • Im Joor 1929 isch in Basel unterem Namme "PFLUDERI CLIQUE", vo'n e paar Fasnachtsaagfraessene us em Velo-Moto Clup "OLYMPIA", die Fasnachtsgsellschaft grindet worde.

  • Mir sin politisch und konfessionell neytral.

  • Mir bezwaegge d'Pflaeg vo dr alte fasnaechtliche Tradition, bsunders Pflaeg vom Drummle und Pfyffe.

  • Au dien mer d'Usbildig vo junge Fasnachtskraeft im Drummle-, Pfyffe und Fasnachttraditione pflaege.

  • Ganz gross wird bi uns d'Frindschaft und d'Gselligkait pflaegt.

 

Unseri Gsellschaft bestoht us:

 

em Stammverein  1929

em Asyl  1963

und de Junge Garde 1946

 

Dr Stamm bestoht us:

Ehremitgliider 
Freymitgliider 
Aktivmitgliider 
Passivmitgliider 

 

Au haenn mr e Vorschtand vo 13 Mitgliider:

Obmaa 
Vice-Obmaa 
Seggredaer
Protokollfiehrerin 
Seggelmaischterin 
Zwei Materialvernuscher
Clique-Kaeller Verantwortlige 
Obmaa Jungi Garde 
Tambourmajor 
Pfyfferchefin 
Drummelchef 

Zuugchef
Obmaa vo dr Sujet-Kommission

Obmaa Asyl

 

Basel, 09. März 2016